Der menschliche Körper beherbergt Billionen von Mikroorganismen – Bakterien, Viren, Pilze und Archaeen – die zusammen als Mikrobiom bezeichnet werden. Allein im Darm leben schätzungsweise 100 Billionen Bakterien aus mehreren Hundert verschiedenen Arten. Dieses komplexe Ökosystem beeinflusst nicht nur die Verdauung, sondern auch das Immunsystem, den Stoffwechsel, die Gehirnfunktion und sogar die Wirksamkeit von Krebstherapien.
Die Mikrobiom-Forschung hat sich in den letzten zehn Jahren explosionsartig entwickelt. Mit ihr ist eine fundamentale Herausforderung in den Fokus gerückt: Wie können die empfindlichen Bakteriengemeinschaften so konserviert werden, dass sie auch nach Monaten oder Jahren der Lagerung noch die Zusammensetzung und Funktionalität des ursprünglichen Mikrobioms widerspiegeln?
Die Antwort liegt – wie so oft in den Life Sciences – in der Kryokonservierung.
Ein Mikrobiom ist keine Sammlung isolierter Bakterienarten, sondern ein dynamisches Ökosystem, in dem die Arten in komplexen Wechselbeziehungen stehen. Manche Bakterien sind strikt anaerob – sie sterben bei Kontakt mit Sauerstoff innerhalb von Minuten. Andere benötigen spezifische Nährstoffe oder pH-Werte. Die Probenverarbeitung muss diese Empfindlichkeiten berücksichtigen.
Verschiedene Bakterienarten reagieren unterschiedlich auf den Einfrierprozess. Gram-positive Bakterien überleben in der Regel besser als Gram-negative, und aerobe Arten besser als anaerobe. Eine unkontrollierte Kryokonservierung kann daher die Zusammensetzung des Mikrobioms verzerren – bestimmte Arten werden über- und andere unterrepräsentiert.
Die Zeitspanne zwischen Probenentnahme (z.B. Stuhlprobe) und Kryokonservierung sollte minimal sein. Internationale Protokolle empfehlen eine Verarbeitung innerhalb von 30 Minuten bis maximal 2 Stunden. Während dieser Zeit sollte die Probe gekühlt (4°C) gelagert werden.
Jede Probe sollte in mehrere Aliquots aufgeteilt werden, um wiederholtes Auftauen und Wiedereinfrieren zu vermeiden. Jeder Auftau-Zyklus verändert die Zusammensetzung des Mikrobioms und gefährdet die wissenschaftliche Aussagekraft.
Im Gegensatz zur Zellkonservierung werden Mikrobiom-Proben häufig ohne CPA oder mit Glyzerin als Kryoprotektivum eingefroren. Die Wahl des CPA und seine Konzentration beeinflussen die Überlebensraten verschiedener Bakterienarten unterschiedlich.
Die optimale Einfrieremethode für Mikrobiom-Proben ist Gegenstand aktiver Forschung. Einige Protokolle verwenden ein kontrolliertes Einfrieren im Controlled Rate Freezer, andere setzen auf schnelles Schockgefrieren. Die Wahl hängt vom Ziel der Studie ab: Für metagenomische Analysen (DNA) ist das Einfriertempo weniger kritisch als für kultivierungsbasierte Studien, bei denen die Lebensfähigkeit der Bakterien erhalten bleiben muss.
Bei der FMT wird das Mikrobiom eines gesunden Spenders in den Darm eines erkrankten Empfängers übertragen. Die Kryolagerung der Spenderstuhlproben ermöglicht die Voruntersuchung auf Pathogene, die Qualitätssicherung und die zeitliche Entkopplung von Spende und Transplantation. FMT-Stuhlbanken sind im Grunde hochspezialisierte Kryobanken.
Große epidemiologische Studien sammeln Tausende von Stuhlproben über Jahre hinweg. Die langfristige Kryokonservierung dieser Proben ermöglicht retrospektive Analysen: Wie hat sich das Mikrobiom verändert, bevor eine Krankheit ausbrach? Solche longitudinalen Daten sind von unschätzbarem wissenschaftlichem Wert.
Pharmaunternehmen entwickeln definierte Bakterienkonsortien als Therapeutika (Live Biotherapeutic Products, LBPs). Die Kryokonservierung ist ein integraler Bestandteil des Herstellungsprozesses dieser neuartigen Medikamente.
Consarctic® bietet Forschungseinrichtungen und Stuhlbanken die kryogene Infrastruktur für die Lagerung von Mikrobiom-Proben:
Die Fähigkeit, das Mikrobiom zuverlässig zu konservieren und zu analysieren, ist eine der Schlüsselkompetenzen der modernen biomedizinischen Forschung. Die Kryotechnik liefert die Werkzeuge dafür.
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