Die therapeutische Anwendung von Kälte ist keineswegs eine moderne Erfindung. Bereits im alten Ägypten wurde Eis zur Behandlung von Entzündungen eingesetzt. Die gezielte Zerstörung von Gewebe durch extreme Kälte – die Kryochirurgie – wurde jedoch erst im 19. Jahrhundert mit der Verfügbarkeit von flüssigem Stickstoff zu einer praktikablen klinischen Methode.
Heute ist die Kryochirurgie ein etabliertes Verfahren in der Dermatologie, Onkologie, Urologie und Gynäkologie. Das Prinzip ist elegant in seiner Einfachheit: Eine kryogene Sonde wird auf das zu behandelnde Gewebe aufgebracht oder in es eingeführt, und die extreme Kälte – typischerweise durch verdampften flüssigen Stickstoff erzeugt – zerstört die Zielzellen, während das umgebende gesunde Gewebe weitgehend verschont bleibt.
Obwohl die Kryochirurgie ein anderes Anwendungsfeld der Kryotechnik darstellt als die Kryokonservierung, teilen beide denselben physikalischen Kern: die kontrollierte Anwendung extremer Kälte auf lebendes Gewebe.
Wenn Gewebe auf Temperaturen unter -40°C bis -50°C abgekühlt wird, bilden sich intrazelluläre Eiskristalle, die die Zellmembranen mechanisch zerstören. Gleichzeitig führt die Dehydratation und die osmotische Belastung zum Zelltod. Bei Temperaturen unter -20°C werden zusätzlich die kleinen Blutgefäße im Behandlungsbereich geschädigt, was zu einer Ischämie führt und die Zerstörung der Tumorzellen durch Sauerstoffmangel verstärkt.
Die Wirksamkeit der Kryochirurgie wird durch mehrere aufeinanderfolgende Gefrier-Tau-Zyklen maximiert. Der erste Zyklus schädigt die Zellen primär durch Eiskristallbildung, der zweite Zyklus trifft auf bereits vorgeschädigtes Gewebe und verstärkt die Zerstörung durch die Rekristallisation.
Die häufigste Anwendung der Kryochirurgie ist die Behandlung von Hautläsionen: Warzen, aktinische Keratosen, Basalzellkarzinome und andere oberflächliche Hautveränderungen. Ein Spray oder eine Kontaktsonde mit flüssigem Stickstoff wird direkt auf die Läsion aufgebracht – ein schneller, ambulanter Eingriff mit minimaler Narbenbildung.
In der Onkologie wird die Kryoablation zunehmend als minimalinvasive Alternative zur chirurgischen Resektion eingesetzt:
Kryochirurgische Verfahren werden zur Behandlung von Zervixdysplasien (Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs) eingesetzt – eine schmerzarme und effektive Methode.
Auf den ersten Blick verfolgen Kryochirurgie und Kryokonservierung entgegengesetzte Ziele: Die eine will Zellen zerstören, die andere will sie schützen. Doch die zugrunde liegende Physik ist identisch. Der Unterschied liegt in der Kontrolle der Parameter:
Consarctic® liefert zwar keine kryochirurgischen Sonden, aber die Flüssigstickstoffversorgung, die für den Betrieb kryochirurgischer Einrichtungen benötigt wird. Stickstoffbehälter und Vakuumleitungen von Consarctic® versorgen Operationssäle und Behandlungsräume mit dem LN2, der für kryochirurgische Eingriffe erforderlich ist.
Die Kryochirurgie zeigt eindrucksvoll, wie vielseitig die kontrollierte Anwendung von Kälte in der Medizin ist. Sie ergänzt die Kryokonservierung als zweites großes Anwendungsfeld der medizinischen Kryotechnik.
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