Auf den ersten Blick erscheint es paradox: Lebende Zellen, die bei -196°C eingefroren werden, können nach dem Auftauen lebensfähig und funktionsfähig sein. Wie ist das möglich, wenn das Wasser in ihrem Inneren zu Eis wird – einem Material, das bekanntlich scharfkantige Kristalle bildet und dessen Ausdehnung Rohre sprengen kann?
Die Antwort liegt in der Kryobiologie – der Wissenschaft, die sich mit den Auswirkungen tiefer Temperaturen auf lebende Organismen und Zellen beschäftigt. Seit der bahnbrechenden Entdeckung, dass Glyzerin als Kryoprotektivum Spermien vor dem Erfrieren schützen kann (Polge, Smith und Parkes, 1949), hat sich die Kryobiologie zu einer eigenständigen Disziplin entwickelt, deren Erkenntnisse die Grundlage jeder erfolgreichen Kryokonservierung bilden.
In diesem Beitrag bieten wir eine verständliche Einführung in die Grundlagen der Kryobiologie – das Fundament, auf dem die gesamte Kryotechnik von Consarctic® aufbaut.
Wasser macht 60-90% des Volumens einer lebenden Zelle aus. Wenn dieses Wasser unkontrolliert gefriert, bilden sich Eiskristalle – und diese sind für die Zelle tödlich.
Bilden sich Eiskristalle innerhalb der Zelle, durchstoßen sie die empfindlichen Zellstrukturen: die Zellmembran, die Mitochondrien, das endoplasmatische Retikulum und den Zellkern. Dies führt zu irreversiblen Schäden und zum Zelltod.
Bilden sich Eiskristalle außerhalb der Zelle, entziehen sie der Umgebung Wasser. Die resultierende Erhöhung der extrazellulären Salzkonzentration (Osmolarität) zieht Wasser aus der Zelle – die Zelle dehydriert. Bei moderater Dehydratation kann die Zelle überleben, bei exzessiver Dehydratation kollabiert sie.
Der Kryobiologe Peter Mazur formulierte in den 1960er Jahren die einflussreiche Zwei-Faktor-Hypothese, die bis heute das konzeptionelle Fundament der Kryokonservierung bildet:
Wird eine Zelle zu langsam eingefroren, hat sie zu viel Zeit, Wasser an die wachsenden extrazellulären Eiskristalle abzugeben. Die resultierende extreme Dehydratation und die hohen intrazellulären Salzkonzentrationen schädigen die Zellmembranen und denaturieren Proteine.
Wird eine Zelle zu schnell eingefroren, hat das Wasser keine Zeit, die Zelle zu verlassen. Es gefriert innerhalb der Zelle und bildet zerstörerische intrazelluläre Eiskristalle.
Zwischen diesen beiden Extremen liegt die optimale Kühlrate – der Bereich, in dem die Zelle langsam genug eingefroren wird, um intrazelluläre Eiskristalle zu vermeiden, aber schnell genug, um die schädlichen Lösungseffekte zu minimieren. Diese optimale Rate ist für jeden Zelltyp unterschiedlich und muss experimentell bestimmt werden.
Kryoprotektiva (CPAs) verschieben die Balance zugunsten des Zellüberlebens, indem sie die Eiskristallbildung reduzieren und die Zellmembran stabilisieren. DMSO, Glyzerin und Trehalose sind die bekanntesten Vertreter.
Die Vitrifikation umgeht das Problem der Eiskristallbildung vollständig: Durch ultraschnelles Kühlen in Kombination mit hohen CPA-Konzentrationen wird das Wasser direkt in einen glasartigen (amorphen) Zustand überführt, ohne den kristallinen Zustand zu durchlaufen. Keine Kristalle bedeuten keinen mechanischen Schaden.
Vitrifikation wird heute erfolgreich bei der Konservierung von Eizellen und Embryonen in der IVF eingesetzt und ist ein aktives Forschungsfeld für die Organkonservierung.
Die theoretischen Erkenntnisse der Kryobiologie wären ohne die passende Technik wertlos. Ein Controlled Rate Freezer wie der BIOFREEZE® von Consarctic® übersetzt die kryobiologische Theorie in reproduzierbare Praxis:
Jedes Gerät und jeder Prozess in einer Kryobank basiert auf den Prinzipien der Kryobiologie. Wer diese Prinzipien versteht, kann fundiertere Entscheidungen über Einfrierprotokolle, Lagerungsmethoden und Geräteauswahl treffen.
Möchten Sie mehr über die wissenschaftlichen Grundlagen Ihrer Kryokonservierung erfahren? Unsere Anwendungswissenschaftler stehen Ihnen für fachliche Fragen und Protokolloptimierung zur Verfügung.